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ZUVIKZuhause, viel Kinderlachen

Zehn Regentage im Oktober

Herbstferien in Hamburg, und es regnet jeden Tag. Am dritten Tag liegen bei Papa Henrik und den Kindern die Nerven blank. Über Langeweile, Matschhosen und das beste schlechte Wetter.

Am Samstag, dem ersten Tag der Herbstferien, sah Henrik aus dem Küchenfenster der Altbauwohnung in Hamburg-Eimsbüttel und sagte: „Das zieht bestimmt bald ab.“ Draußen fiel ein feiner, grauer Regen, der die Dächer gegenüber verschwimmen ließ. Die Wetter-App zeigte für die nächsten zehn Tage zehn Wolken mit Tropfen.

Seine Frau Lena, Hebamme im Krankenhaus, hatte in den Ferien Dienst, wie in jedem Herbst. Henrik hatte zwei Wochen Urlaub genommen, um bei den Kindern zu sein. Er hatte sich darauf gefreut: Hagenbecks Tierpark, Fahrradtouren an der Alster, vielleicht ein Ausflug an die Ostsee. Von alledem stand jetzt nichts mehr im Raum.

Smilla, sechs, und Jannes, vier, saßen noch im Schlafanzug auf dem Sofa und fragten zum ersten Mal an diesem Morgen: „Papa, was machen wir heute?“

Der erste Tag

Am ersten Tag ging es noch. Sie bauten eine Kugelbahn aus Klopapierrollen und Klebeband quer durch den Flur. Sie backten Waffeln und aßen sie mit Apfelmus. Sie spielten dreimal Memory und einmal Uno, wobei Jannes die Regeln nach eigenem Ermessen auslegte. Am Nachmittag sahen sie einen Film. Um halb acht schliefen die Kinder, und Henrik saß auf dem Sofa und dachte: Neun Tage noch.

Am zweiten Tag hatten die Kinder schon um zehn Uhr morgens alle Spiele durch. Smilla fragte nach dem Tablet. Henrik gab nach, für eine halbe Stunde, die zu einer ganzen wurde und dann zu anderthalb Stunden, weil er in der Zeit endlich die Wäsche machen konnte. Als er das Tablet wegnahm, schrie Jannes, als hätte man ihm den Arm abgenommen. Smilla schmollte den Rest des Vormittags.

Der dritte Tag

Am dritten Tag ging alles schief. Die Kinder stritten sich ab sieben Uhr morgens. Um wen? Um alles. Um den blauen Becher, um den Platz am Fenster, um die Frage, wer zuerst ins Bad durfte. Jannes warf einen Bauklotz nach Smilla und traf die Vase auf der Fensterbank. Smilla weinte, weil sie keine Lust mehr auf drinnen hatte. Jannes weinte, weil Smilla weinte. Henrik stand in der Küche zwischen den Scherben der Vase und merkte, wie ihm der Geduldsfaden riss.

„Jetzt reicht es!“, rief er lauter, als er wollte. Beide Kinder verstummten und sahen ihn erschrocken an.

Henrik atmete tief durch. Dann ging er in den Flur, öffnete den Schrank und holte drei Paar Gummistiefel heraus, zwei Matschhosen und seine alte Regenjacke. „Anziehen“, sagte er. „Wir gehen raus.“

„Aber es regnet“, sagte Smilla.

„Genau“, sagte Henrik.

Pfützen sind zum Springen da

Es war, wie sich herausstellte, eine der besten Entscheidungen seiner Ferien. Unten auf der Straße zögerten die Kinder noch, so als würde der Regen ihnen etwas tun. Dann trat Jannes in die erste Pfütze, und das Wasser spritzte bis zu seinem Kinn hinauf. Er quiekte vor Vergnügen. Eine Minute später sprangen beide Kinder von Pfütze zu Pfütze, laut lachend und von oben bis unten nass.

Sie gingen in den Park am Weiher, der an diesem Vormittag fast leer war. Nur ein älterer Herr mit einem Dackel in einem gelben Regenmantel begegnete ihnen. Unter den Kastanienbäumen sammelten sie die glänzenden braunen Früchte, bis Smillas Taschen ausbeulten. Sie beobachteten, wie der Regen kleine Ringe auf das Wasser des Weihers zeichnete. Jannes entdeckte eine Weinbergschnecke auf einem Stein und wollte sie unbedingt Schnecki nennen und mitnehmen. Nach längerer Verhandlung durfte Schnecki bleiben, wo sie war.

Als sie nach zwei Stunden nach Hause kamen, waren sie durchnässt, durchgefroren und glücklich. Henrik ließ ihnen ein warmes Bad ein und machte Kakao. Und am Nachmittag, zum ersten Mal seit Tagen, spielten die Kinder friedlich miteinander: Mit den Kastanien bauten sie Tiere aus Streichhölzern und Zahnstochern, eine ganze Herde.

Ein Plan für Regenwetter

An diesem Abend erzählte Henrik Lena am Telefon von dem Tag. Lena lachte. „Weißt du, was meine Oma immer gesagt hat? Es gibt kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung.“ Und dann fügte sie etwas hinzu, das Henrik zum Nachdenken brachte: „Die Kinder brauchen nicht jeden Tag ein Programm. Sie brauchen einen Rhythmus. Und sie dürfen sich auch mal langweilen.“

Am nächsten Morgen setzten sich Henrik und die Kinder an den Küchentisch und machten einen Plan. Nicht für jede Stunde, sondern für jeden Tag. Vormittags raus, egal bei welchem Wetter. Mittags essen und eine ruhige Stunde, in der jeder für sich spielen oder lesen durfte. Nachmittags ein gemeinsames Projekt. Das Tablet gab es nur noch am Abend, zwanzig Minuten, mit einer Sanduhr.

Die ruhige Stunde war anfangs schwierig. „Mir ist langweilig“, sagte Smilla am ersten Tag nach fünf Minuten. Henrik sagte: „Das ist in Ordnung. Langweile dich ruhig ein bisschen.“ Smilla sah ihn empört an. Aber nach einer Weile holte sie ihre Stifte heraus und begann, eine Schnecke zu malen. Dann noch eine. Am Ende der Woche hatte sie ein ganzes Heft über Schnecki gezeichnet, mit Geschichten, die sie Henrik diktierte.

Die Regenforscher

Die gemeinsamen Projekte am Nachmittag entwickelten die Kinder bald selbst. Smilla wollte wissen, wie viel es eigentlich regnete. Also schnitten sie eine Plastikflasche auf, klebten ein Lineal daran und stellten sie auf den Balkon. Jeden Morgen lasen sie ab, wie viele Millimeter es geregnet hatte, und Smilla schrieb es in eine Tabelle. Am Ende der Ferien waren es sechsundvierzig Millimeter. „Das ist so viel wie eine halbe Badewanne“, sagte Smilla, was zwar nicht stimmte, aber Henrik ließ es gelten.

An einem Tag fuhren sie mit dem Bus zur Elbe nach Övelgönne und sahen im Regen den Containerschiffen nach, die grau und riesig vorbeiglitten. Jannes winkte jedem Schiff zu. An einem anderen Tag gingen sie in die Bücherhalle und liehen sich so viele Bücher aus, wie sie tragen konnten. Und an einem besonders grauen Nachmittag baute Henrik mit den Kindern im Wohnzimmer eine Höhle aus Decken, Stühlen und Wäscheklammern, in der sie dann mit Taschenlampen saßen und Geschichten erzählten, während draußen der Regen gegen die Scheiben trommelte.

Der letzte Tag

Am letzten Sonntag der Ferien hörte es auf zu regnen. Die Sonne kam heraus, die Straßen glänzten, und Henrik schlug vor, endlich in den Tierpark zu fahren. Smilla und Jannes sahen sich an. „Können wir nicht noch mal in den Park am Weiher?“, fragte Smilla. „Gucken, ob Schnecki noch da ist.“

Schnecki war nicht mehr da. Aber auf dem Rückweg fanden sie eine Pfütze, die so groß war wie ein kleiner See, und sprangen hinein, bis die Gummistiefel voll Wasser waren.

Als Lena an diesem Abend nach Hause kam, fand sie ihre Familie auf dem Sofa, alle drei in Wolldecken gewickelt. Smilla zeigte ihr die Regentabelle und das Schneckenheft. Jannes erzählte von den Containerschiffen. „Und“, fragte Lena Henrik später leise, „wie waren deine Ferien?“ Henrik überlegte. „Nass“, sagte er. „Und überraschend schön.“

Für euren Alltag

Lange Regenphasen, besonders in den Ferien, können Familien an ihre Grenzen bringen. Kinder bewegen sich zu wenig, die Wohnung wird eng, Streit nimmt zu. Dabei ist Regen für Kinder oft gar kein Problem, sondern ein Abenteuer – vorausgesetzt, die Erwachsenen lassen es zu. Was Henrik geholfen hat:

  • Trotzdem rausgehen. Mit Matschhose, Gummistiefeln und Regenjacke können Kinder bei fast jedem Wetter draußen spielen. Bewegung an der frischen Luft baut Spannung ab und verbessert die Stimmung oft schlagartig.
  • Einen einfachen Tagesrhythmus finden. Kein Stundenplan, aber eine grobe Struktur: draußen, ruhige Zeit, gemeinsames Projekt. Kinder fühlen sich sicherer, wenn sie wissen, was sie erwartet.
  • Langeweile zulassen. Wenn Kinder sich langweilen, entsteht oft Raum für eigene Ideen. Es ist nicht die Aufgabe der Eltern, jede Minute zu füllen.
  • Bildschirmzeit klar begrenzen. Eine feste Zeit und ein sichtbares Ende, etwa mit einer Sanduhr, vermeiden Diskussionen und Wutausbrüche beim Abschalten.
  • Projekte aus dem Alltag entwickeln. Ein Regenmesser, eine Kastanienherde, ein Heft über eine Schnecke: Die besten Ideen kommen oft von den Kindern selbst.
  • Kostenlose Orte nutzen. Bibliotheken, Parks, Uferwege und Busfahrten sind auch bei schlechtem Wetter gute Ausflugsziele und schonen die Ferienkasse.

Zum Gespräch mit euren Kindern

  • Was macht dir bei Regen draußen am meisten Spaß?
  • Was machst du, wenn dir langweilig ist – und ist Langeweile eigentlich etwas Schlimmes?
  • Welches Projekt würdest du gern an einem Regentag mit uns machen?
  • Warum streiten wir uns öfter, wenn wir lange drinnen sind?

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