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ZUVIKZuhause, viel Kinderlachen

Noch fünf Minuten! Übergänge ohne Tränen

Vom Spielplatz nach Hause, vom Spiel zum Abendessen, vom Tablet ins Bett: Für die kleine Mira war jeder Wechsel ein Drama. Eine Geschichte über Übergänge, Sanduhren und den Trick mit dem letzten Mal.

„Mira, wir gehen jetzt!“

Der Satz hallte über den Spielplatz an der Elbe, und er bewirkte das, was er immer bewirkte: nichts. Mira, vier Jahre alt, saß oben auf dem Klettergerüst und tat, als hätte sie nichts gehört. Ihr Vater Henrik stand mit dem Laufrad in der Hand am Rand des Sandkastens und spürte, wie die Geduld aus ihm herausrann wie Sand aus einem löchrigen Eimer.

„Mira! Jetzt!“ Mira kletterte eine Stufe höher. Henrik stellte das Laufrad ab, ging zum Gerüst, hob sie herunter. Und dann kam es, das, was die Familie Petersen „den Vulkan“ nannte: Mira schrie, strampelte, warf sich auf den Boden, schrie weiter. Die anderen Eltern sahen herüber, manche mitfühlend, manche missbilligend. Henrik trug seine schreiende Tochter zum Fahrradanhänger und wünschte sich, er könnte im Sand versinken.

Jeder Wechsel ein Drama

Es war nicht nur der Spielplatz. Es war jeder Wechsel. Vom Spielen zum Abendessen. Vom Abendessen ins Bad. Vom Bad ins Bett. Vom Zuhause in die Kita. Sogar von der Kita nach Hause, obwohl Mira morgens geweint hatte, weil sie nicht hinwollte. Henrik und seine Partnerin Sophie hatten das Gefühl, dass ihre Tage nur noch aus Übergängen bestanden, und jeder einzelne konnte in einem Vulkan enden.

„Sie ist einfach stur“, sagte Henrik eines Abends. Sophie schüttelte den Kopf. Sie arbeitete als Erzieherin, zwar nicht in Miras Kita, aber mit Kindern im selben Alter. „Ich glaube nicht, dass sie stur ist. Ich glaube, sie steckt mittendrin in etwas und wird mitten herausgerissen. Stell dir vor, du liest ein spannendes Buch, und jemand nimmt es dir aus der Hand und sagt: Jetzt essen.“

Henrik dachte nach. Genau so fühlte er sich, wenn Sophie ihn mitten im Fußballspiel zum Abwasch rief.

Die Sanduhr

Sophie brachte am nächsten Tag eine kleine Sanduhr mit, eine von der Sorte, wie man sie bei Gesellschaftsspielen findet. Fünf Minuten lief der Sand durch. „Wir kündigen ab jetzt jeden Wechsel an“, sagte sie. „Und Mira darf die Sanduhr umdrehen.“

Am Abend probierten sie es aus. Mira baute im Wohnzimmer einen Turm aus Holzklötzen. Sophie setzte sich zu ihr, sah dem Bauen kurz zu und sagte dann ruhig: „Dein Turm ist schon richtig hoch. Gleich gibt es Abendessen. Möchtest du die Sanduhr umdrehen? Wenn der Sand unten ist, gehen wir in die Küche.“

Mira drehte die Sanduhr um und beobachtete fasziniert, wie der Sand rieselte. Sie baute weiter, sah immer wieder zur Uhr. Als das letzte Körnchen gefallen war, rief sie: „Fertig!“ Und ging in die Küche. Ohne Vulkan.

Henrik starrte Sophie an, als hätte sie gezaubert.

Der Trick mit dem letzten Mal

Natürlich war es nicht immer so einfach. Auf dem Spielplatz half die Sanduhr nicht, die vergaß man ohnehin zuhause. Dafür entdeckte Henrik einen anderen Trick, eigentlich zufällig. Als es wieder einmal Zeit zum Gehen war, rief er nicht „Wir gehen jetzt“, sondern ging zu Mira und fragte: „Was möchtest du als Letztes machen? Rutschen oder schaukeln?“

Mira überlegte. „Rutschen.“ – „Gut. Einmal rutschen, dann gehen wir zum Anhänger.“

Sie rutschte. Und dann, nach einem Moment des Zögerns, ging sie zum Anhänger. Nicht begeistert, aber ohne Vulkan.

Henrik erzählte es Sophie, und gemeinsam verstanden sie, was passiert war. Mira hatte nicht das Gefühl gehabt, dass ihr etwas weggenommen wurde. Sie hatte entschieden, wie das Spielen endet. Sie hatte einen Abschluss gehabt.

Die Brücke zum Nächsten

Das dritte, was sie lernten, war vielleicht das Wichtigste: Übergänge gingen leichter, wenn es auf der anderen Seite etwas gab, worauf Mira sich freuen konnte. „Wir gehen jetzt nach Hause“ war ein Ende. „Wir gehen jetzt nach Hause und du darfst die Nudeln ins Wasser werfen“ war ein Anfang.

So bekamen viele Wechsel eine kleine Brücke. Vom Bad ins Bett: „Du darfst das Buch aussuchen.“ Von der Kita nach Hause: „Erzählst du mir auf dem Weg, was ihr gespielt habt?“ Vom Tablet zum Abendessen, das war bei Mira allerdings ein besonders zäher Übergang: „Wenn die Folge fertig ist, decken wir zusammen den Tisch, und du darfst die Servietten falten.“

Manchmal funktionierte es nicht. Manchmal war Mira zu müde, zu hungrig oder einfach in schlechter Stimmung, und der Vulkan brach trotzdem aus. Dann blieb Henrik bei ihr, sagte „Ich weiß, du wolltest noch weiterspielen, das ist ärgerlich“ und wartete, bis die Welle vorbei war. Er hatte gelernt, dass Erklärungen in diesem Moment nicht halfen. Nur Dableiben half.

Was Henrik über sich selbst lernte

Mit der Zeit bemerkte Henrik noch etwas, das ihn ein wenig verlegen machte. Viele Vulkane hatten nicht mit Mira begonnen, sondern mit ihm. Wenn er gestresst aus dem Büro kam und auf dem Spielplatz schon im Kopf die Einkaufsliste durchging, rief er „Wir gehen jetzt“ in einem Ton, der keinen Raum für Abschied ließ. An entspannten Tagen dagegen setzte er sich ganz von selbst zu ihr, fragte nach dem letzten Mal und baute Brücken, ohne darüber nachzudenken.

„Ich habe gemerkt, dass ihre Übergänge an meinen hängen“, erzählte er später einem Freund, der gerade selbst Vater geworden war. „Wenn ich innerlich schon drei Schritte weiter bin, zerre ich sie mit. Und sie wehrt sich dagegen, völlig zu Recht.“

Seitdem nahm er sich auf dem Weg zum Spielplatz einen Moment, um selbst anzukommen. Er ließ das Handy in der Tasche und sah zu, wie Mira kletterte. Wenn es Zeit zum Gehen war, ging er langsamer zu ihr hinüber. Diese wenigen Minuten veränderten nicht alles. Aber sie veränderten genug, dass die Fahrt nach Hause öfter mit Liedern endete als mit Tränen.

Ein halbes Jahr später

Ein halbes Jahr später saßen Henrik und Mira wieder auf dem Spielplatz an der Elbe. Henrik sah auf die Uhr und wollte gerade aufstehen, als Mira von der Rutsche rief: „Papa, wie viel noch?“ – „Noch zweimal rutschen.“ Mira hob zwei Finger, rutschte zweimal, zählte laut mit und kam zum Anhänger gelaufen.

Ein Vater auf der Bank nebenan, mit einem schreienden Kleinkind auf dem Arm, sah ihnen mit großen Augen nach. Henrik lächelte ihm zu. Er wusste genau, wie sich der Mann fühlte.

Für euren Alltag

Viele Kleinkinder und Kindergartenkinder tun sich mit Übergängen schwer. Sie können sich ganz in ein Spiel vertiefen, und es fällt ihnen schwer, abrupt umzuschalten. Ideen aus Miras Familie:

  • Kündigt Wechsel an. „In fünf Minuten gehen wir“ gibt Kindern Zeit, sich innerlich vorzubereiten. Bei kleinen Kindern, die Zeit noch nicht einschätzen können, hilft eine Sanduhr, ein Timer oder eine Anzahl („noch dreimal rutschen“).
  • Lasst das Kind den Abschluss wählen. „Was möchtest du als Letztes machen?“ gibt Kindern ein Stück Kontrolle. Sie beenden das Spiel selbst, statt herausgerissen zu werden.
  • Baut eine Brücke zum Nächsten. Eine kleine Aufgabe oder Vorfreude auf der anderen Seite des Übergangs, etwa Nudeln ins Wasser werfen oder das Buch aussuchen, macht den Wechsel attraktiver.
  • Geht hin, statt zu rufen. Wer sich neben das spielende Kind setzt und kurz zusieht, erreicht es leichter als jemand, der von der anderen Seite des Raumes ruft.
  • Bleibt beim Wutausbruch da. Wenn der Vulkan ausbricht, helfen Erklärungen wenig. Ruhig bleiben, das Gefühl benennen („Du bist enttäuscht, weil du noch spielen wolltest“) und abwarten hilft vielen Kindern, sich wieder zu fangen.
  • Achtet auf Hunger und Müdigkeit. Übergänge kurz vor dem Abendessen oder nach einem langen Tag sind besonders anfällig. Ein kleiner Snack oder ein ruhigerer Ablauf kann viel verändern.

Zum Gespräch mit euren Kindern

Fragt in einem ruhigen Moment: Wie fühlt es sich an, wenn du mitten im Spielen aufhören musst? Was würde dir helfen? Manche Kinder wünschen sich eine Warnung, andere eine Aufgabe, wieder andere einfach eine Umarmung beim Abschied vom Spiel.

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